Websites
Deine Startseite braucht nicht noch einen „Über uns“ Absatz. Sie braucht eine Geschichte, die man spürt
Von Stephany Riano | 2. Oktober 2026 | 10 Min. Lesezeit

Ich habe ein kleines Problem mit ziemlich viel Website Storytelling.
Oft klingt es ungefähr so:
„Wir sind ein leidenschaftliches Team, das für Qualität, Innovation und unsere Kunden steht.“
Okay... aber wer seid ihr wirklich? 😶
Dieser Satz könnte von einer Beratung, einer Zahnarztpraxis, einem Softwareunternehmen oder einer Bäckerei stammen.
Und genau das ist das Problem.
Wenn ich von Storytelling auf einer Website spreche, meine ich nicht, dass deine Startseite zur dramatischen Autobiografie werden soll.
Ich meine, dass Menschen die Persönlichkeit hinter dem Unternehmen verstehen können, auch wenn das Unternehmen längst größer als eine einzelne Person ist.
Menschen verbinden sich mit Dingen, die echt, konkret und wiedererkennbar wirken.
Dein Unternehmen sollte nicht wie ein Unternehmen klingen
Stell dir dein Unternehmen für einen Moment als Person vor.
Wie würde es sprechen?
Was wäre ihm wichtig?
Was würde es nerven?
Welche Versprechen würde es niemals machen?
Wäre es präzise? Neugierig? Ruhig? Direkt? Verspielt? Vielleicht ein bisschen detailverliebt?
Die meisten Marken haben längst eine Persönlichkeit.
Das Problem ist nur, dass die Website sie oft entfernt.
Alles, was das Unternehmen interessant macht, wird gegen Wörter wie „Lösungen“, „Qualität“, „Innovation“ und „Kundenorientierung“ ausgetauscht, bis plötzlich niemand mehr nach irgendjemandem klingt. 🤦🏻♀️
Deine Website sollte genau das Gegenteil tun.
Sie sollte die Persönlichkeit leichter spürbar machen.
Dein Unternehmen hat längst eine Lebensgeschichte
Denk einmal vom Anfang des Unternehmens bis heute.
Warum wurde es gegründet?
Welches Problem hast du immer wieder gesehen?
Was wolltest du anders machen?
Was hat sich unterwegs verändert?
Was versuchst du heute noch besser zu machen?
Das ist bereits eine Geschichte.
Sie muss nicht dramatisch sein.
Ich finde sie meistens sogar besser, wenn sie es nicht ist.
„Ich habe immer wieder gesehen, wie kleine Unternehmen viel Geld für schöne Websites ausgeben, die trotzdem niemand versteht. Also wollte ich sie anders bauen“ erzählt mir wesentlich mehr als:
„Wir wurden mit der Vision gegründet, die digitale Landschaft zu transformieren.“
Siehst du?
Das eine klingt nach jemandem, der etwas bemerkt hat und es ändern wollte.
Das andere klingt nach einem Satz, der entstanden ist, weil Websites anscheinend Sätze brauchen. 😏
Und nein, deine Kunden brauchen nicht deine ganze Biografie
Genau hier kann Storytelling auch schiefgehen.
Deine Startseite ist nicht der Ort für jedes Jahr deiner Unternehmensgeschichte.
Die Geschichte ist nur dann hilfreich, wenn sie dem Kunden etwas Relevantes erklärt:
Warum dir diese Arbeit wichtig ist.
Woran du glaubst.
Was du anders machst.
Welche Erfahrung Kunden mit dir erwarten können.
Warum man dir zutrauen kann, das Problem wirklich zu verstehen.
Deshalb ist gutes Website Storytelling oft sehr kurz.
Ein Satz.
Ein kleines Detail.
Ein echtes Beispiel.
Eine klare Meinung.
Das Ziel ist nicht, alles über dich zu erzählen. Es geht darum, genug Wahrheit zu zeigen, damit Menschen spüren, mit wem sie es zu tun haben.
Wie findest du diese Geschichte jetzt eigentlich?
Diese fünf Übungen würde ich machen, bevor ich eine Startseite neu schreibe.
Übung 1: Mach aus deinem Unternehmen eine Person
Und bitte ohne Marketingwörter.
Frag dich:
Wenn dein Unternehmen einen Raum betritt, was fällt zuerst auf?
Wie würde es etwas Kompliziertes erklären?
Was würde es niemals sagen?
Was ist ihm wichtiger als vielen Mitbewerbern?
Mit welchem Kunden könnte es zwei Stunden lang begeistert reden?
Wähle danach drei Eigenschaften, die wirklich zu dir passen.
Nicht „professionell“.
Professionell wollen angeblich alle sein.
Versuch es mit neugierig, präzise, warm, rebellisch, ruhig, pragmatisch, verspielt, detailverliebt oder geduldig.
Dann frag dich:
Klingt meine Startseite wie diese Person?
Wenn nicht, hast du schon den ersten Hinweis.
Übung 2: Schreib deine Geschichte in drei Momenten
Vergiss die Unternehmenschronik.
Du brauchst nur drei Momente:
Davor:
Was hast du immer wieder gesehen oder erlebt?
Wendepunkt:
Was hat dich dazu gebracht, etwas anders zu machen?
Heute:
Was möchtest du für deine Kunden schaffen?
Maximal zwei Sätze pro Antwort.
Wenn die Geschichte erst nach 600 Wörtern interessant wird, braucht sie wahrscheinlich noch ein bisschen Bearbeitung. 🫠
Übung 3: Gib jedem Wert ein Verhalten
Bitte hör nicht bei „Vertrauen, Innovation, Qualität“ auf.
Nimm jeden Wert, den du behauptest, und beende diesen Satz:
„Diesen Wert sieht man daran, dass wir...“
Statt:
„Transparenz ist uns wichtig.“
Lieber:
„Wir erklären zuerst, wofür wir kein Geld ausgeben würden, bevor wir dir sagen, wofür schon.“
Statt:
„Qualität steht bei uns an erster Stelle.“
Lieber:
„Wir veröffentlichen lieber eine klare Seite als fünf Seiten voller Wörter, die niemand braucht.“
Das wirkt glaubwürdiger, weil aus dem Wert ein Verhalten wird.
Werte werden interessant, wenn sie verändern, was du tatsächlich tust.
Übung 4: Sammle die Sätze, die deine Kunden wirklich sagen
Schau dir E Mails, Gespräche, Bewertungen, Meeting Notizen oder Nachrichten an.
Suche nach den tatsächlichen Formulierungen, die Menschen verwenden, bevor sie dich beauftragen.
Was frustriert sie?
Was wollen sie erreichen?
Was haben sie schon ausprobiert?
Wovor haben sie vielleicht ein bisschen Angst?
Übersetze diese Sätze noch nicht in Marketingsprache.
Benutze sie so, wie sie sind.
Deine Geschichte handelt nicht nur davon, woher dein Unternehmen kommt.
Sie handelt auch von der Situation, in der sich dein Kunde befindet, wenn er dich findet.
Übung 5: Bau deine Startseite wie eine kurze Geschichte
Nimm jetzt alles von oben und mach daraus fünf einfache Momente auf der Startseite.
Die Situation:
Zeig, dass du verstehst, womit der Kunde gerade kämpft.
Die Überzeugung:
Erklär, was deiner Meinung nach anders sein sollte.
Der Beweis:
Zeig, wie du arbeitest, was du gelernt hast oder was deinen Ansatz konkret macht.
Das Angebot:
Erklär klar, wie du hilfst.
Die Einladung:
Sag, was als Nächstes passieren soll.
Mehr brauchst du nicht.
Du brauchst keinen Bereich namens „Unsere Geschichte“, wenn die ganze Startseite bereits eine erzählt.
Hier wird Storytelling wirklich nützlich
Storytelling ist keine Dekoration.
Es bedeutet nicht, emotionale Wörter einzubauen, nur weil irgendein Branding Artikel das empfohlen hat.
Es gibt Menschen Kontext.
Warum gibt es euch?
Warum ist euch das wichtig?
Was bemerkt ihr, das andere vielleicht übersehen?
Welche Erfahrung wollt ihr schaffen?
Und genau das fehlt meiner Meinung nach vielen Websites.
Ein Unternehmen wird nicht menschlich, weil es sagt „wir sind menschlich“. Es wird menschlich, wenn es konkret genug klingt, um glaubwürdig zu sein.
Ein letzter Test
Lies deine Startseite laut vor.
Und frag dich:
Würde ein echter Mensch so sprechen?
Könnte ein Mitbewerber diesen Satz kopieren, ohne etwas zu ändern?
Spüre ich, was diesem Unternehmen wichtig ist?
Verstehe ich, warum es dieses Unternehmen gibt, außer um Geld zu verdienen?
Wenn du immer wieder „nicht wirklich“ antwortest, brauchst du wahrscheinlich nicht mehr Text.
Du brauchst mehr vom echten Unternehmen im Text. 🤓
Und wenn deine Website schön aussieht, sich aber trotzdem so anfühlt, als könnte sie fast jedem gehören, würde ich genau dort anfangen.
Deine Geschichte steckt wahrscheinlich längst im Unternehmen.
Du musst nur aufhören, beim Schreiben die ganze Persönlichkeit herauszueditieren.
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