KI-Sichtbarkeit
Wir lassen KI ständig Content erstellen. Soooo warum sieht plötzlich alles gleich aus?
Von Stephany Riano | 23. September 2026 | 11 Min. Lesezeit

Bitte sag mir, dass ich nicht die Einzige bin, der das auffällt.
Du öffnest LinkedIn. Dieselben Emojis.
Du scrollst durch Instagram. Dasselbe perfekte KI Bild.
Du liest einen Beitrag von Unternehmen A, dann von Unternehmen B, dann von Unternehmen C... und irgendwie klingt alles, als hätte es dieselbe Person geschrieben.
Oder besser gesagt: derselbe Prompt. 🤦🏻♀️
Und dann nennen wir das Content Strategie.
Aghhh.
Genau da habe ich ein Problem.
Nicht mit KI an sich. Ich nutze KI. Ich finde sie unglaublich hilfreich.
Aber KI soll dir Arbeit abnehmen.
Sie soll dich nicht aus deinem eigenen Content verschwinden lassen.
Das Problem ist nicht KI. Das Problem ist Autopilot
Wenn fünf Unternehmen einem KI Tool ungefähr denselben vagen Auftrag geben, müssen wir uns dann wirklich wundern, wenn am Ende alles ähnlich klingt?
„Schreib mir einen LinkedIn Post über Leadership.“
„Mach eine Instagram Caption über Innovation.“
„Schreib das professionell und engaging.“
Soooo... professionell und engaging nach wessen Definition?
Was glaubt dein Unternehmen eigentlich?
Wie sprechen deine Kunden?
Was ist dir diese Woche bei deiner Arbeit aufgefallen, das wirklich etwas zu sagen hätte?
Wie würdest du das einem echten Menschen bei einem Kaffee erklären?
Wenn davon nichts im Prompt landet, woher soll die Persönlichkeit kommen?
KI kann dir helfen, eine Idee zu strukturieren. Sie kann chaotische Gedanken ordnen. Sie kann dich challengen. Optionen liefern. Wiederholende Arbeit schneller machen.
Aber wenn dein ganzer Prozess Prompt, Copy, Paste, Publish ist... 🫠
Dann bitte nicht wundern, wenn das Ergebnis aussieht wie bei allen anderen.
Lern richtig zu prompten. Und nein, ich meine nicht 300 „magische Prompts“
Ich weiß.
„Prompting lernen“ klingt schon sehr nach 2026. 🤓
Aber ich meine damit nicht, dass du dir irgendeine Sammlung mit fertigen Prompts aus dem Internet abspeicherst.
Ich meine, dass du lernst, der KI guten Kontext zu geben.
Was willst du erreichen?
Mit wem sprichst du?
Was weiß die Person bereits?
Was denkst du selbst über das Thema?
Was soll die KI vermeiden?
Welche Beispiele, Erfahrungen, Notizen oder Quellen soll sie verwenden?
Woran würdest du merken, dass der Text überhaupt nicht nach dir klingt?
Das ist etwas ganz anderes als:
„Schreib mir einen Beitrag über SEO.“
Ein guter Prompt gibt Richtung.
Ein besserer Prozess gibt der KI echtes Material.
Ich werde noch einen eigenen Artikel darüber schreiben, wie ich Prompting angehe, weil dieses Thema definitiv mehr als einen Absatz verdient.
Bis dahin:
Die Qualität des Outputs hängt stark von der Qualität deines Denkens davor ab.
Diskutier mit der KI. Glaub ihr bitte nicht einfach alles
Ich glaube, genau diesen Schritt überspringen viele.
Die KI gibt eine Antwort und wir denken:
Ahhhh okay. Perfekt.
Aber ist sie wirklich perfekt?
Stimmst du überhaupt zu?
Ist die Logik gut?
Fehlt etwas Offensichtliches?
Passt eine Annahme vielleicht überhaupt nicht zu deinem Unternehmen?
Stimmen die Informationen?
Sag der KI, dass du anderer Meinung bist.
Frag, warum sie diesen Blickwinkel gewählt hat.
Lass dir die Gegenposition erklären.
Frag, was an der eigenen Antwort schwach ist.
Gib deine Meinung hinein und lass sie challengen.
Bitte um drei komplett unterschiedliche Erklärungen derselben Idee.
Genau da wird KI für mich viel interessanter.
Du benutzt sie nicht mehr wie einen Automaten, in den du einen Prompt wirfst und unten fällt Content raus.
Du benutzt sie zum Mitdenken.
KI sollte dein Denken unterstützen, nicht ersetzen.
Und bitte... lies den Text, bevor du ihn veröffentlichst
Ich kann kaum glauben, dass man das sagen muss, aber gut.
Lies ihn.
Langsam.
Sagt der Text überhaupt etwas?
Würdest du das wirklich so sagen?
Ergibt das Beispiel Sinn?
Stimmen die Fakten?
Gibt es einen Satz, der intelligent klingt, aber eigentlich nichts bedeutet?
Könnten zehn deiner Mitbewerber exakt denselben Text posten, ohne ein einziges Wort zu ändern?
Wenn ja, bist du noch nicht fertig.
Sei nicht faul hahahaha.
KI hat dir beim ersten Entwurf Zeit gespart.
Super.
Nutze einen Teil dieser gesparten Zeit zum Denken.
Schneller Content ist nicht automatisch besserer Content.
Gib der KI etwas, das nur von dir kommen kann
Für mich ist das der wichtigste Punkt.
Deine Beobachtungen.
Deine Meinung.
Deine Beispiele.
Deine kleinen komischen Formulierungen.
Die Frage, die dir ein Kunde gestellt hat.
Das Ding, das du ausprobiert hast und das überhaupt nicht funktioniert hat.
Die Notiz, die du geschrieben hast, weil dich plötzlich etwas genervt hat.
Die Sprachnachricht, die du aufgenommen hast, weil dir unterwegs eine Idee gekommen ist.
Genau dieses Material gibt Content Persönlichkeit.
Und nein, KI kann deine echte Erfahrung nicht einfach für dich erfinden.
Wenn du nichts Spezifisches in den Prozess einbringst, hat die KI auch weniger Spezifisches, mit dem sie arbeiten kann.
Siehst du?
Deshalb funktioniert KI für mich am besten, wenn der Mensch zuerst das Rohmaterial liefert.
Und können wir kurz über KI Bilder sprechen?
Du kennst sie.
Perfektes Licht.
Perfekter Schreibtisch.
Perfekte Person, die dramatisch auf irgendein futuristisches Interface schaut.
Technisch ist daran nichts falsch.
Aber nachdem man Version Nummer 847 derselben Idee gesehen hat, sagt dieses Bild wirklich noch etwas über die Marke?
Wenn du KI Bilder nutzt, gib die Richtung vor.
Denk über Bildaufbau, Stimmung, Objekte, Texturen, Perspektive und deine Marke nach.
Oder nutze echte Fotos, Screenshots, Diagramme, handschriftliche Notizen oder echte Arbeit, wenn das die Idee besser vermittelt.
Das Ziel ist nicht zu beweisen, dass du ein KI Bild generieren kannst.
Das Ziel ist ein Bild, das wirklich zum Inhalt gehört.
Nutze KI für Optionen, nicht als Erlaubnis
Eine meiner liebsten Arten, KI zu nutzen, ist nicht nach „der Antwort“ zu fragen.
Ich frage nach Möglichkeiten.
Was übersehe ich?
Gib mir einen anderen Blickwinkel.
Challenge das.
Mach dieses Argument stärker.
Jetzt widersprich ihm.
Erklär es einfacher.
Was könnte einen Leser hier verwirren?
Damit bekomme ich Material, mit dem ich weiterarbeiten kann.
Dann entscheide ich.
Das ist wichtig.
KI darf deine Arbeit beschleunigen. Sie sollte nicht dein Urteil oder deinen Geschmack auslagern.
Mein letzter Check vor dem Veröffentlichen
Bevor du etwas veröffentlichst, das mit KI entstanden ist, stell dir eine etwas unangenehme Frage:
Könnte das genauso gut von irgendeinem anderen Unternehmen gepostet werden?
Wenn die Antwort ja ist, geh noch einmal zurück.
Füg deine Meinung hinzu.
Gib mehr Kontext.
Lösch generische Formulierungen.
Hinterfrag die Antwort.
Sorg dafür, dass das Bild wirklich etwas bedeutet.
Und ja, nutze KI.
Sehr viel sogar, wenn sie dir wirklich hilft.
Ich glaube nicht, dass wir das Tool ablehnen sollten.
Wir sollten es nur mit eingeschaltetem Gehirn benutzen. 😏
Lass KI Reibung aus deiner Arbeit nehmen. Aber nicht dich selbst.
Und wenn sich Prompting für dich noch immer wie zufällige Anweisungen in eine Box werfen und hoffen anfühlt, schreibe ich genau darüber als Nächstes.
Denn ein besserer Prompt beginnt nicht mit einer magischen Formel.
Er beginnt damit, dass du weißt, was du eigentlich sagen willst.
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